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Die Börsen im Blick 2. Quartal 2019

Auch im zweiten Quartal sorgte vor allem der ame rikanisch-chinesische Handelskonflikt an den Akti enmärkten weiterhin für ein von Hoffen und Ban gen begleitetes Auf und Ab. Die Anzeichen für eine Abschwächung der Weltkonjunktur nahmen zu, zu letzt auch in den USA. Weil die wichtigsten Noten banken daraufhin eine Lockerung ihrer Geldpolitik in Aussicht stellten, überwogen sowohl an den Renten- als auch Aktienmärkten letztendlich Kurs gewinne.

Zinsen, Renten, Währungen und Rohstoffe

Nachdem die US-amerikanische Notenbank „Fed“ schon in den ersten Wochen des Jahres eine Ab kehr von ihrer bremsenden Geldpolitik signalisiert hatte, festigte sich im Verlauf des zweiten Quartals die Erwartung mehrerer Leitzinssenkungen im zweiten Halbjahr. Noch blieb das Zielband der so genannten „Fed Funds Rate“ aber unverändert bei 2,25 bis 2,50 Prozent. Weil die Inflationsraten wie der zurückgingen und sich die Konjunktur nun auch in den USA abkühlte, setzten sich an den großen Anleihemärkten die Kursgewinne fort. Die Rendite von US-Staatsanleihen mit zehn Jahren Laufzeit fiel von 2,4 Prozent auf 2,0 Prozent und damit deutlich unter die Fed Fund Rate. Selbst die Rendite bei dreißigjährigen US-Treasury-Bonds fiel mit nur noch 2,5 Prozent auf das Zinsniveau am Geldmarkt. Die schon im ersten Quartal ansatzwei se und zeitweilig bestehende sogenannte „inverse Zinsstruktur“ wurde somit klar erkennbar. Sie gilt als Vorbote einer Rezession, also einer Phase mit rückläufiger Wirtschaftsleistung. Auch die Europäi sche Zentralbank (EZB) signalisierte angesichts rückläufiger Inflationszahlen und einer schwachen Konjunktur ihre Bereitschaft zur Lockerung ihrer ohnehin lockeren Geldpolitik. Dies führte auch diesseits des Atlantiks zu steigenden Anleihekur sen. Der Bund-Future, der Gradmesser für die Kursentwicklung deutscher Staatsanleihen, er reicht neue Rekordhöhen und beendete das zweite Quartal mit einem Kursanstieg um 3,9 Prozent auf 172,8 Euro. Dadurch sank die Rendite deutscher Bundesanleihen in den negativen Bereich und stand zur Jahresmitte bei minus 0,33 Prozent pro Jahr.

Vergleichbare japanische Staatsanleihen haben ebenfalls eine negative Rendite. Sie beträgt zur Jahresmitte minus 0,16 Prozent. Die breite Kurser holung an den Rentenmärkten half auch Italien. Die Rendite italienischer Staatsanleihen sank bei zehn Jahren Laufzeit im zweiten Quartal von rund 2,5 Prozent knapp unter 2,0 Prozent. Trotz einge trübter Weltkonjunktur sanken auch die Risikoprä mien für Schwellenländer- und Unternehmensan leihen. In der jeweils lokalen Währung verzinsen sich Schwellenländeranleihen im Durchschnitt im merhin noch mit 5,7 Prozent.

An den Devisenmärkten blieb es, wie schon im ersten Quartal, vergleichsweise ruhig. Der schon vor über einem Jahr begonnene Aufwärtstrend des US-Dollars setzte sich allerdings nur bis Mai fort, so dass die US-Währung das Quartal gegen Euro mit einem Rückgang um 1,4 Prozent auf 1,137 USD/EUR und gegen japanischen Yen um 2,7 Pro zent auf 107,8 JPY/USD beendete. Hintergrund dürfte die Erwartung mehrerer Leitzinssenkungen in den USA sein, womit der Zinsvorteil des Dollars kleiner würde. Der Rücktritt der am Brexit geschei terten britischen Premierministerin May und ihre mögliche Nachfolge durch Boris Johnson, den Be fürworter eines harten Brexits, belastete das briti sche Pfund, so dass die Erholung der Inselwäh rung aus dem ersten Quartal wieder verloren ging: Die europäische Gemeinschaftswährung stieg um 4,1 Prozent auf 0,90 GBP/EUR.

Große Bewegungen gab es dagegen wieder bei den Kryptowährungen. Nach der Bodenbildung im ersten Quartal kam es schon Anfang April zu Kurs sprüngen nach oben. Der vom klassischen Bitcoin abgespaltene Bitcoin Cash stieg binnen weniger Tage um rund 70 Prozent. Auslöser einer dann ein setzenden breiten Kursrallye sollen Käufe eines einzigen Großinvestors im Volumen von rund 100 Millionen Dollar gewesen sein, dessen Kauforders gleichzeitig auf mindestens drei Handelsplattfor men platziert wurden. Im Juni befeuerte dann die Ankündigung von Facebook, eine eigene digitale Währung anbieten zu wollen, die Kursexplosion der Kryptowährungen, wobei die Facebook-Wäh rung „Libra“ wohl eher ein zentral organisiertes Zahlungssystem werden dürfte. Umso mehr schür ten die Nachrichten das Interesse an den de zentral auf der Blockchain-Technologie basieren den Kryptowährungen. Der Wechselkurs des klas sischen Bitcoins verdreifachte sich im zweiten Quartal auf knapp 11.300 US-Dollar.

An den Rohstoffmärkten gab es im zweiten Quartal eine uneinheitliche Entwicklung: Angesichts der schwächeren Weltkonjunktur gaben die Preise von Öl und Kupfer einen Teil ihrer Preiserholung aus dem ersten Quartal wieder ab, während die Edel metalle Gold und Palladium ihren Preisanstieg be schleunigt fortsetzten. Dass die Sorgen um einen eskalierenden Konflikt am Persischen Golf die Öl preise - von Tagesschwankungen abgesehen - nicht steigen ließ, dürfte auch daran liegen, dass die Ölförderung in den USA einen neuen Höchst stand erreichte. Der Preis für ein Barrel der US-amerikanischen Sorte „West Texas Intermediate“ („WTI“) lag zur Jahresmitte mit 58,25 Dollar 3,4 Prozent unter dem Preis drei Monate zuvor. Ein Barrel der europäischen Rohölsorte Brent verbillig te sich im Laufe des Quartals um 4,6 Prozent auf 64,45 Dollar. Die Preise von Edelmetallen profitier ten dagegen von den Ankündigungen der Noten banken aus den USA und Europa, ihre Geldpolitik zu lockern. Die zinslosen Edelmetalle gewinnen an relativer Attraktivität, wenn an den Zinsmärkten kein Geld zu verdienen ist. So stieg der Preis für eine Feinunze Gold im Berichtszeitraum um 9,1 Prozent auf 1.409 Dollar. Palladium setzte seinen im August des Vorjahres begonnenen Anstieg fort und vergrößerte seinen erst in diesem Jahr ent standenen Vorsprung gegenüber dem Goldpreis: Eine Unze verteuerte sich um 12,0 Prozent auf 1.546 Dollar. In Euro gerechnet ist allerdings in al len Fällen noch ein kleiner Währungsverlust durch den Rückgang des US-Dollars um 1,4 Prozent ab zuziehen. Für eine Feinunze Gold ergibt sich somit nur ein Anstieg um 7,6 Prozent auf 1.239 Euro. Unter dem Strich verzeichneten Rohstoffpreisindi zes im zweiten Quartal ein leichtes Absinken, so der Dow Jones Commodity Index in Höhe von 0,3 Prozent und der RICI von 0,6 Prozent (jeweils in US-Dollar).



Aktienmärkte


Auch das zweite Quartal begann an den Aktien märkten mit Kursgewinnen. Gute Konjunkturindika toren aus China ließen vor allem europäische Ex portwerte und sogenannte „zyklische“, also stärker konjunkturabhängige Aktien, weiter steigen. Aller dings warteten die Börsianer vergeblich auf ein Verhandlungsergebnis beim amerikanisch-chinesi schen Handelsstreit und beim britischen EU-Aus tritt. So wandte sich die Aufmerksamkeit der Be richtssaison zu. Gute Geschäftsergebnisse, unter anderem von der US-Großbank JP Morgan, stütz ten das Kursniveau. Neue Konjunkturdaten be stärkten die Kapitalmärkte zunächst darin, dass die Rezessionsängste des vierten Quartals übertrie ben waren. Das Wirtschaftswachstum in den USA fiel höher als erwartet aus. Und auch Daten aus China sprachen für anhaltendes Wirtschaftswachs tum. Gute Konjunktur- und Arbeitsmarktdaten in den USA dämpften die Erwartungen an die US-No tenbank. Die Fed zeigte sich im Hinblick auf ihre künftige Zinspolitik zunächst abwartend. Die über raschende Ankündigung weiterer Sonderzölle durch US-Präsident Trump gegen China löste dann weltweit Sorgen um die Auswirkungen des eskalierenden Handelskonflikts aus. Insbesondere US-Maßnahmen gegen den chinesischen Tele kom-Ausrüster Huawei brachten Technologie-Wer te unter Druck. Als US-Präsident Trump ungeach tet des unlängst erneuerten Handelsabkommens mit Mexiko neuen Strafzölle gegen das Land an kündigte, erlitt die Wallstreet mit rund drei Prozent den größten Wochenverlust seit Dezember. Unter Zöllen gegenüber Mexiko würden auch US-Kon zerne mit Produktionsstätten dort massiv leiden. Angesichts der Schwächung der US-Wirtschaft durch die Handelskonflikte und schlechtere Ar beitsmarktdaten stieg dann aber die Hoffnung auf eine Leitzinssenkung durch die US-Notenbank.

Erleichtert reagierten die Börsen darauf, dass die angedrohten Strafzölle gegen Mexiko nicht in Kraft gesetzt wurden. Als dann die US-Notenbank ihre Bereitschaft zu Leitzinssenkungen bekräftigte und auch die Europäische Zentralbank (EZB) zur Über raschung der Märkte eine Lockerung ihrer Geldpo litik signalisierte, gab dies den Aktienmärkten bei derseits des Atlantiks Auftrieb und drängte geopoli tische Sorgen in den Hintergrund. US-Akti enindizes erreichten damit die Anfang Oktober ver gangenen Jahres bzw. Anfang Mai dieses Jahres markierten Rekordniveaus. Der populären Dow Jo nes Industrial Average kam im zweiten Quartal mit einem Anstieg um 2,6 Prozent auf 26.600 Zähler seinem knapp neun Monate zuvor markierten Re kordstand von 26.952 Punkten sehr nah. Der S&P-500-Index beendete das Quartal mit einem Plus von 3,8 Prozent bei 2.942 Punkten und stellte da mit den alten Rekord ein. Auch der Nasdaq-100-In dex erreichte Anfang Mai neue Höchststände und beendete das Quartal mit einem Anstieg um 4,0 Prozent bei 7.671 Zählern nur wenig tiefer. Nach dem sich Aktien aus der Internet-Branche im ers ten Quartal überdurchschnittlich erholt hatten, fie len die Zuwächse im zweiten Quartal bescheidener aus. Der entsprechende Nasdaq-Branchenindex kletterte von Anfang April bis Ende Juni nur um 1,8 Prozent. Auch die Masse der kleineren Aktien folg te den Standardwerten langsamer nach oben: Der Nebenwerte-Index Russell-2000 verzeichnet für das zweite Quartal nur einen Anstieg um 1,7 Pro zent.

In Europa erinnerte zwar der Rücktritt der briti schen Premierministerin May daran, dass der EU-Austritt Großbritanniens noch ungeregelt ist. Das Quartal wurde aber auch in Europa mehrheitlich mit Kursgewinnen beendet. Die Kurszuwächse in London fielen mit einem Plus von 2,0 Prozent beim FTSE-100-Index wieder geringer aus als bei den meisten kontinentaleuropäischen Börsen. Der Eu ro-STOXX-50 stieg um 3,6 Prozent auf 3.473,7 Zähler. Der deutsche Leitindex DAX, der sich im ersten Quartal unterdurchschnittlich erholt hatte, profitierte nun von der Kurserholung einiger größe rer Werte und verzeichnete ein Quartalsplus von 7,6 Prozent auf 12.399 Punkte. Unter den kleine ren europäischen Börsen blieb Griechenland ein Überflieger. Zu der fortschreitenden wirtschaftli chen Stabilisierung gesellt sich dort die Ankündi gung vorgezogener Neuwahlen, die einen Regie rungswechsel von der Linkspartei Syriza zur kon servativen Nea Dimokratia bringen könnte. Der Athex Composite Index für griechische Aktien legte darauf im zweiten Quartal um 20,4 Prozent zu. Weitgehend auf der Stelle traten dagegen im zwei ten Quartal die Aktienmärkte Österreichs und Zentraleuropas.

Insgesamt deutlich ruhiger als in den zwei Quarta len zuvor ging es im Berichtszeitraum an den asia tischen Kapitalmärkten zu. Die chinesischen Bör sen konnten angesichts des Handelsstreits mit den USA nicht an die Kurserholung in den ersten Mo naten dieses Jahres anknüpfen: So verlor der Hongkonger Hang Seng Index letztendlich 1,7 Pro zent und der Hang Seng China Enterprise Index 4,3 Prozent. Zu den besten Börsen der Region ge hörte Thailand, wo der SET Index der Börse Bang kok einen Zuwachs von 5,6 Prozent verbuchte. Auch an der japanischen Börse herrschte der Ein druck einer trendlosen Seitwärtsbewegung vor: Während der Nikkei-225-Index letztendlich nur ein Mini-Plus von 0,3 Prozent auf 21.276 Zähler ver zeichnete, lag der Topix-Index zur Jahresmitte 2,5 Prozent tiefer als drei Monate zuvor.

Die beiden wichtigsten Aktienmärkte Lateinameri kas entwickelten sich in unterschiedliche Richtun gen. Während es in Brasilien weiter aufwärts ging, nämlich mit dem Bovespa Index um 5,7 Prozent, verlor der mexikanische Aktienmarkt im zweiten Quartal unter dem Eindruck der neu aufflammen den Handelskonflikte mit den USA 2,1 Prozent.

Vom Anstieg des Goldpreises auf neue Sechs-Jah res-Hochs profitierten die Aktien von Goldminen überproportional. Der FT Goldmines Index ver zeichnete im zweiten Quartal einen Anstieg um 15,4 Prozent.

ADRIAN-INVEST Richard Adrian  | info@adrian-invest.de